Nicht nur im Sport, auch in der boomenden Crossfit-Szene gilt Yoga für Sportler als Geheimtipp – immer mehr Athleten setzen auf Cross Yoga. Warum das Verbiegen die ideale Ergänzung zum Training ist, weiß ASHTANGA 4 ATHLETES-Yogalehrerin Michaela Weller.

MY MAT & ME: Yoga in der Crossfit-Box – zwei Welten prallen aufeinander. Schließt sich das nicht aus?

Michaela Weller: Auf keinen Fall, denn auf der sportlichen Ebene ergänzt es sich gut. Der Grundgedanke beider Bewegungsformen ist relativ ähnlich – beide holen den Athleten oder Yogi dort ab, wo er gerade steht. Mit individuellen Möglichkeiten, Einschränkungen und Dysbalancen. Beide fordern ihn heraus und bringen ihn in seinen Fähigkeiten voran. Yoga für Sportler ist eine gute Ergänzung für den Crossfitter, da er auf der Matte an Stützkraft gewinnt. Zudem bietet Yoga ein mentales Training, was für Wettkampfsportler wichtig ist.

Cross Yoga ist weniger spirituell, eher athletisch

MY MAT & ME: Was ist beim Cross Yoga anders als in „normalen“ Yogaklassen?

Michaela Weller: Cross Yoga ist zugeschnitten auf die Bedürfnisse eines Athleten. Dadurch ist es weniger spirituell, eher athletisch. Man fokussiert sich auf Bereiche, die beim Crossfit eingeschränkt sind und setzt vor allem auf Mobilitätsübungen. Außerdem kann ein Kraftsportler manche Position intensiver ausführen oder länger halten, weil er meist mehr Muskelkraft als ein Yogi besitzt. Und manche Elemente kennt er auch schon aus dem Crossfit-Training – einen Handstand zum Beispiel.

MY MAT & ME: Und trotzdem sollte ein Kraftsportler zusätzlich auf Yoga setzen??

Michaela Weller: Ja, denn zum einen fördert Yoga die Regeneration auf körperlicher Ebene, zum anderen ist es für die Psyche wichtig, um sich neben all den Wettkampfgedanken auf sich selbst konzentrieren zu können und Gelassenheit sowie Ruhe zu finden. Außerdem kann Yoga die Technik in der Hauptsportart verbessern.

Unser How-to-Cross-Yoga-Clip:

MY MAT & ME: Bessere Kniebeugen dank Yoga?

Michaela Weller: Das funktioniert! Viele sitzen generell im Alltag zu viel und benötigen dann Hilfsmittel, um natürliche Bewegungen wie etwa die tiefe Hocke wieder zu erlernen. Die meisten haben es verlernt, Kinder können das alles noch. Die Beweglichkeit in den Hüften und Sprunggelenken fehlt. Erwachsene müssen diese Bewegungen wieder mühsam zum Beispiel mit Yoga erlernen.

MY MAT & ME: Wann sollte ein Kraftsportler die Matte ausrollen?

Michaela Weller: Auf jeden Fall schon zu Beginn seines Trainings, da Yoga auf ganzheitliche Beweglichkeit abzielt. Mobilität ist die Ausgangsbasis für jedes Krafttraining. Wenn Muskeln, Sehnen und Bänder die Bewegungen einschränken und trotzdem mit viel Gewicht trainiert wird, kann der passive Bewegungsapparat nicht mithalten. Ist erst ein Schadensfall eingetreten, wird’s schwierig – dann hilft eher Yoga-Therapie. Yoga für Sportler ist ein ergänzendes Trainingsmittel und soll präventiv Verletzungen vorbeugen.

MY MAT & ME: Yoga soll machbar für die meisten Menschen sein – Cross Yoga auch?

Michaela Weller: Für jemanden mit akuten Verletzungen im aktiven oder passiven Bewegungsapparat und bei akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist’s weniger geeignet. Cross Yoga ist eher konzipiert für gesunde Teilnehmer und auch Wiedereinsteiger. Man muss kein Spitzensportler sein, sollte aber eine Affinität für ein gewisses Maß an Anstrengung während des Trainings besitzen.

Es könnte einen Muskelkater geben

MY MAT & ME: Womit muss ein Yoga-Anfänger beim Yoga für Sportler rechnen?

Michaela Weller: Es könnte einen Muskelkater geben. Für Anfänger kann das längere Halten der Positionen sehr anstrengend sein, da die isometrischen Belastungen ungewohnt sind. Allerdings sollte er den Leistungsgedanken außen vorlassen, die eigenen Grenzen möglichst nicht überschreiten und sich Pausen nehmen, wann immer er sie benötigt.

MY MAT & ME: Keine Cross Yogaklasse in meiner Stadt – wie finde ich als Kraftsportler das richtige Yoga-Angebot?

Michaela Weller: Wenn man den mentalen Aspekt und körperliche Entspannung sucht, dann empfehle ich eher ruhiges Hatha Yoga oder auch Yin Yoga. Wer es aktiver betreiben möchte, ist beim Vinyasa Flow oder Ashtanga Yoga gut beraten, da hier der Fokus auf dem körperlichen Aspekt liegt.

MY MAT & ME: Manch einen schreckt die Spiritualität – tut’s dann auch Pilates?

Michaela Weller: Grundsätzlich ist Cross Yoga weniger spirituell – wir singen nicht, machen weniger Atemübungen und Meditationen als in einer klassischen Yoga Class. Pilates ist aus Yoga entstanden und die Übungen sind teilweise ähnlich bis gleich. Beweglichkeit und Tiefenmuskulatur wird auch beim Pilates trainiert – man sollte einfach ausprobieren, welche Richtung für einen besser funktioniert.

Michaela Weller hat ein Buch über Cross Yoga geschrieben und teilt ihr Wohnzimmer mit einem Skelett namens „Kate Moss“ – um die menschliche Anatomie immer vor Augen zu haben. Außerdem hat sie Sport-Management studiert und arbeitet als Dozentin in der Fitnessbranche, zudem unterrichtet sie als Ashtanga-Yogalehrerin. In ihrem Unterricht verbindet sie klassische Yoga-Sequenzen mit funktionellen Trainingselementen. Mehr zu Michaela Weller findest du auch hier.

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