Meditation: Der Augenblick zwischen zwei Gedanken

Warum du beim Meditieren ein- statt auschecken solltest, wieso Askese nicht angebracht ist und weshalb die Phase zwischen zwei Gedanken die beste ist.

Irgendwie haben wir alle manchmal diese spärlich bekleideten Asketen vor unseren inneren Augen, die selbstvergessen in den unwahrscheinlichsten Posen stundenlang vor sich hin meditieren. Um gedankliche oder gar körperliche Askese geht es beim Meditieren aber keineswegs – im Gegenteil: Du solltest bei der Meditation nicht auschecken, sondern eher einchecken. Nämlich bei dir selbst.

Zuallererst solltest du einen bequemen Sitz finden. Zwing dich (und vor allem deine Knie) nicht in eine vorgegebene Position, die womöglich nicht zu dir und deiner individuellen Anatomie passt. Setze dich am besten leicht erhöht auf einen Yoga-Block, die Kante einer Decke oder eines Kissens, kreuze die Beine in dem Schneidersitz, der dir leicht fällt und verankere dich mit beiden Sitzknochen im Boden oder deiner Unterlage. Sind die Hüften nicht sonderlich beweglich, unterstütze die Oberschenkel großzügig mit zwei Kissen oder Yoga-Blöcken. Die Wirbelsäule ist aufgerichtet, das Brustbein angehoben, die Schultern sind entspannt. Die Hände ruhen entspannt auf den Oberschenkeln oder Knien, die Handflächen zeigen je nach Belieben nach unten oder oben. Der Meditations-Sitz sollte stabil, aber auch angenehm sein. Asketische Verrenkungen lassen dich nämlich nicht wirklich zur Ruhe kommen – die Gedanken kreisen sonst gerne rund um eingeschlafene Füße. Und das hat wohl noch niemanden erleuchtet.

Den Zustand reinen Bewusstseins erreichst du in dem kurzen Augenblick zwischen zwei Gedanken

Schließe deine Augen, atme tief durch die Nase, ohne Pausen oder Anstrengung, gleichmäßig und natürlich wie eine sanfte Welle, die langsam in deinen Körper hinein- und wieder hinausfließt. Betrachte deinen Atem wie einen guten Freund von außen ohne ihn verändern oder forcieren zu wollen. Nimm wahr, wie die Luft durch die Nase ein- und ausströmt und sanft an den Nasenflügeln entlang streicht.

Lenke die Aufmerksamkeit in deinen Körper und spüre in dein Inneres hinein. Gefühle und Gedanken kommen und gehen lassen, an nichts festhalten. Einzig ein schöner Gedanke sollte dich leiten: Den Zustand reinen Bewusstseins erreichst du in dem Augenblick zwischen zwei Gedanken. Je öfter und länger du meditierst, umso leichter wirst du diesen Zwischen-Zustand erreichen und umso länger werden die Phasen zwischen den Gedanken. Meditations-Neulinge starten mit fünf bis zehn Minuten, Fortgeschrittene meditieren 15 bis 30 Minuten oder sogar länger.

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